Kurze Antwort
Ja — aber nur die synthetischen. Polyester, Nylon, Acryl und Fleece geben bei jeder Wäsche winzige Plastikfasern ab; Forschende haben Hunderttausende Fasern pro Waschgang gemessen. Auch Baumwolle, Leinen und Wolle verlieren Fasern, doch das sind Zellulose oder Protein, kein Kunststoff — und sie bauen sich im Wasser ab. Was du kaufst, wiegt schwerer als wie du wäschst — wobei auch das zählt.
Es ist eine dieser Beobachtungen, die man einmal liest und danach nicht mehr übersieht: die Fleecejacke nach vierzig Wäschen, die Polyesterleggings, die flusiger aus der Maschine kommt, als sie hineinging. All diese Flusen sind irgendwo geblieben. Hier ist, was die Forschung tatsächlich sagt — ohne Panik.

Was sich beim Waschen tatsächlich löst
Eine 2019 in Scientific Reports veröffentlichte Studie hat gemessen, was synthetische Kleidungsstücke in einem normalen Haushaltswaschgang abgeben. Die Forschenden fanden zwischen 124 und 308 Milligramm Mikrofasern pro Kilogramm gewaschenem Textil — einzeln gezählt ergab das zwischen 640.000 und 1.500.000 Fasern pro Waschladung.
Diese Zahlen klingen gewaltig, und das sind sie auch — aber der Maßstab zählt: Die Fasern selbst sind winzig. Die meisten waren rund 360–660 Mikrometer lang und 12–16 Mikrometer dick — dünn genug, um die Filter von Kläranlagen zu passieren und in Flüsse und die Nordsee zu gelangen.
Waschen ist zudem nicht der einzige Weg. Eine separate Studie aus dem Jahr 2020 fand, dass allein das Tragen synthetischer Kleidung durch gewöhnliche Reibung und Bewegung vergleichbare Fasermengen in die Luft abgibt — und bei einem Vierjährigen ist das eine Menge Reibung und Bewegung.
Welche Teile im Kinderkleiderschrank am meisten abgeben
Nicht alle Synthetikstoffe verhalten sich gleich. Locker konstruierte, aufgeraute und mechanisch ausgerüstete Stoffe — allen voran Fleece — geben deutlich mehr ab als dicht gewebte. In einer Studie gaben mechanisch behandelte Polyesterproben, vor allem Fleece und Jersey, etwa sechsmal mehr Mikrofasern nach Gewicht ab als Nylonproben.
| Kleidungsstück | Übliche Faser | Abriebrisiko |
|---|---|---|
| Fleecejacke oder Zwischenlage | Polyester, oft recyceltes PET | Am höchsten |
| Kuscheltiere und Plaids | Polyester-Plüsch | Sehr hoch |
| Leggings, Sportkleidung, Badesachen | Polyester oder Nylon mit Elasthan | Mittel bis hoch |
| Regenjacke, Außenmaterial | Beschichtetes Polyester oder Nylon | Gering (dicht gewebt) |
| T-Shirts, Sweats, Denim | Bio-Baumwolle | Gibt Fasern ab, aber kein Plastik |
Mischgewebe verdienen eine eigene Anmerkung. Ein Baumwoll-Polyester-Mix ist nicht halb so unproblematisch wie reines Polyester — die beiden Fasertypen reagieren unterschiedlich auf mechanische Belastung, und Mischungen können stark abgeben. Steht auf dem Etikett 60 % Baumwolle / 40 % Polyester, behandle das Teil beim Waschen als Synthetik.
Gibt Baumwolle auch Fasern ab? Ehrlich gesagt: ja

Das ist der Teil, den Texte nachhaltiger Marken meist auslassen, also sagen wir es klar: Auch Baumwolle verliert beim Waschen Fasern. Untersuchungen zum Waschen von Baumwolle, Viskose und Polyester fanden, dass zellulosebasierte Stoffe in manchen Tests sogar mehr Fasermasse abgaben als Polyester — grob 0,2–4 mg pro Gramm Stoff gegenüber 0,1–1 mg/g bei Polyester.
Der Unterschied liegt nicht in der Menge, sondern in dem, was danach passiert. Baumwoll- und Viskosefasern bauen sich in natürlichen Gewässern ab; Polyesterfasern im Wesentlichen nicht. Jede Faser, die ein Fleece verliert, ist noch da. Jede Faser eines Baumwollshirts zerfällt. Das ist das ganze Argument — und es reicht, ganz ohne Übertreibung.
Sechs Dinge, die messbar helfen
Keines davon verlangt eine neue Garderobe. Es sind Anpassungen an dem, was du dienstagabends ohnehin tust.
- Volle Ladungen waschen, keine halben. Kontraintuitiv, aber gut belegt: Eine vollere Trommel bedeutet weniger Wasser pro Kilo Textil und weniger von der mechanischen Bewegung, die Fasern herausreißt. Untersuchungen zu Beladung und Polyesterabrieb zeigen einen echten Unterschied.
- Kälter und kürzer. Eine Studie der Northumbria University und Procter & Gamble aus dem Jahr 2020 fand, dass ein kaltes, kurzes Programm die Mikrofaserabgabe deutlich senkt. Temperatur, Programmdauer und Bewegung zählen alle drei.
- Auf links drehen. Weniger direkter Abrieb auf der Stoffaußenseite, weniger Flusen in der Trommel.
- An der Luft trocknen. Trockner lösen zusätzliche Fasern und blasen sie direkt in die Luft. Leinentrocknung umgeht das — und schont nebenbei Gummizüge und Prints.
- Über Filter oder Waschbeutel nachdenken. Unabhängige Testergebnisse gehen weit auseinander, und das sollte man wissen: Fest installierte externe Filter sollen 80–90 % der Fasern auffangen, während Waschbeutel wie der Guppyfriend je nach Kleidungsstück und Testaufbau mit rund 54 % bis 86 % angegeben werden. Selbst das untere Ende ist relevant. Frankreichs Anti-Verschwendungsgesetz von 2020 (AGEC) sah Mikrofaserfilter für neue Waschmaschinen vor, und in der EU werden ähnliche Anforderungen diskutiert.
- Synthetik seltener waschen. Ein Fleece über einer Baumwollschicht bleibt viel länger frisch als eines direkt auf der Haut. Lüften reicht öfter, als wir zugeben.

Was das beim Kaufen bedeutet
Der wirksamste Eingriff passiert, bevor überhaupt etwas in deiner Maschine landet. Ein paar Gewohnheiten, die sich lohnen:
Lies das Zusammensetzungsetikett, nicht das Marketing. „Eco“, „bewusst“ und „recycelt“ sagen nichts über Faserabrieb — recyceltes Polyester gibt genauso ab wie neues. Die Prozentangaben in der Innennaht sagen alles.
Priorisiere die Schichten, die am nächsten an der Haut liegen und am häufigsten gewaschen werden. Unterwäsche, Schlafanzüge, Alltagsshirts und -hosen gehen ständig in die Wäsche — dort zahlen sich Naturfasern am meisten aus. Eine Regenjacke, die viermal im Jahr gewaschen wird, ist eine andere Rechnung: Manchmal ist Synthetik wirklich das richtige Material.
Kaufe weniger, das länger hält. Ein Kleidungsstück, das zwei oder drei Kinder tragen und das danach weitergegeben wird, musste nie zweimal hergestellt werden. Das ist die Logik hinter unseren Twice Loved-Teilen und hinter dem oversized Schnitt — sichtbar in der gesamten Kollektion.
Häufige Fragen
Ist recyceltes Polyester bei Mikroplastik besser?
Beim Faserabrieb nicht. Recyceltes Polyester hält Plastikflaschen aus dem Müll — ein echter Vorteil —, doch die Faser verhält sich in der Waschmaschine wie neues Polyester. Das ist ein anderes Umweltargument, nicht dasselbe.
Geben neue Kleidungsstücke mehr ab als alte?
In der Regel geben die ersten Wäschen am meisten ab, weil lose Fasern aus Produktion und Zuschnitt herausgehen. Danach nimmt es ab, hört aber nicht auf — und Teile, die mit der Zeit pillen oder aufrauen, können wieder mehr abgeben.
Sollen wir vorhandene Polyesterkleidung wegwerfen?
Nein. Ein funktionierendes Kleidungsstück wegzuwerfen ist in jeder Hinsicht schlechter — die Fasern sind bereits hergestellt, und Deponie oder Verbrennung macht das nicht rückgängig. Trage sie auf, wasche kalt und mit voller Trommel und entscheide beim Ersatz anders.
Zählt Bambusviskose hier als Naturfaser?
Bambusviskose ist eine regenerierte Zellulosefaser — chemisch verarbeitet, am Ende aber Zellulose. Wie Viskose baut sie sich daher voraussichtlich im Wasser ab, statt als Kunststoff zu bleiben. Die Verarbeitung selbst ist eine eigene Nachhaltigkeitsfrage.
Geben Frontlader wirklich weniger ab?
Eine Studie der University of California, Santa Barbara aus dem Jahr 2016 fand, dass Toplader deutlich mehr Mikrofasern erzeugten als Frontlader — passend zu dem, was wir über mechanische Bewegung wissen. Die meisten europäischen Haushalte haben ohnehin einen Frontlader.
Wirkt sich das direkt auf die Gesundheit meines Kindes aus?
Die Forschung zu gesundheitlichen Folgen von Mikroplastik bei Kindern ist noch im Fluss, und wir wollen sie nicht überzeichnen. Besser belegt ist die Persistenz in der Umwelt. Wenn du die Faserbelastung im Haus dennoch senken möchtest: Bettwäsche, Schlafanzüge und Heimtextilien aus Naturfasern plus regelmäßiges Lüften sind sinnvolle, günstige Schritte.

